Naturschutzgebiet Eselsbett und Schwarzes Bruch

 

Naturschutzgebiet Eselsbett Naturschutzgebiet Eselsbett

 

 

 

 

 

 

 

Die Naturschutzgebiete Eselsbett und Schwarzes Bruch die sich auf einer Höhe von 320 m NN zwischen Lichtenau und Willebadessen befinden, haben als Rest ehemals größere Moore des Eggevorlandes ihre Entstehung geologischen und klimatischen Besonderheiten der Egge und ihres Vorlandes zu verdanken. Die Egge bildet in ihrer nordsüdlichen Ausrichtung einen Sperrriegel gegen die vorherrschenden Westwinde. Vor der Nordsee kommend werden sie vom Teutoburger Wald im Nordosten und dem Haarstrang im Süden fast trichterförmig auf den Höhenzug der Egge zugelenkt. Dies führt dazu, dass die Windgeschwindigkeiten zunehmen, die durchschnittlichen Temperaturen gegenüber dem Umland in der Höhenlage geringer werden und die Niederschlagsmengen auf über 1100 mm pro Jahr zunehmen.

Der rötliche, wasserdurchlässige Egge-Sandstein lässt diese großen Niederschlagsmassen versickern und an so genannten Stauhorizonten, an denen der Sandstein auf wasserundurchlässige Schichten aus tonigem Mergel oder Keuper stößt, in Form von unzähligen Quellen wieder zutage treten.

In abflusslosen Mulden, die durch tonige oder lehmige Böden abgedichtet sind, entstanden durch das hohe Wasserangebot nährstoffarme und leicht saure Stillgewässer, die nach und nach verlandeten und sich in Jahrtausenden zu Mooren weiterentwickelten.

Anhand der Wasserversorgung sind Hoch- und Niedermoore zu unter­scheiden. Während Niedermoore noch vom nährstoffreicheren mineralischen Grundwasser beeinflusst werden, wachsen Hochmoore durch die so genannten „Torfmoose“ uhrglasförmig - d. h. flach aufgewölbt - über die umgebene Landschaft empor. Dadurch verlieren Hochmoore den Kontakt zum nährstoffreicheren Grundwasser und werden letztlich nur noch durch nährstoffarmen Niederschlag mit Wasser gespeist. Neben der Nährstoffarmut machen das saure Substrat und die extremen klima­tischen Bedingungen den hier lebenden Pflanzen und Tieren das leben schwer. So können an der Mooroberfläche Temperaturunterschiede bis 40° C auftreten und kleinräumige sehr nasse Bereiche („Schlenken“) mit sehr trockenen (“Bulten“) abwechseln. Zu den Arten, die sich an diese Extrembedingungen angepasst haben, zählen beispiels­weise“Fleisch fressende Pflanzen“, wie der rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia), der mit Hilfe klebriger und duftender Drüsensekrete auf seinen Blättern kleine Insekten fängt und damit einen Teil seines Stickstoffbedarfs deckt. Weiterhin sind die niedrigen, zu den Zwergsträu­chern zählenden Arten wie die Rosmarinheide (Andromeda polifolia), Moosbeere (Vaccinium Oxycoccus). Glockenheide (Erica tetralix) und Moor- oder Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) für die moorigen Be­reiche typisch. Besonders auffällig und charakteristisch sind auch die im Frühsommer weißleuchtenden Fruchtstände der Wollgräser.

Am Rande der Hochmoore findet man Übergangsbereiche, in denen der Einfluss des mineralischen Grundwassers größer wird. Hier gesellten sich Arten hinzu, die für Niedermoore und nährstoffarme, saure Feuchtwiesen typisch sind. Dazu zählen z. B. der Lungenenzian (Gentiana pneumonanthe), das breitblättrige Knabenkraut (Dactyorhiza majalis), der Fieberklee (Menyanthes trifoliata) und die Moorbirke (Betula pubescents).

In der Vergangenheit wurden die Flächen der heutigen Naturschutzge­biete „Eselsbett“ und „Schwarzes Bruch“ zunächst durch Torfabbau und anschließend landwirtschaftlich genutzt. Damit gingen Teile dieses äußerst sensiblen Ökosystems „Hochmoor“ unwiederbringlich verloren. Mit der Unterschutzstellung des „Eselsbetts“ im Jahre 1970 und des „Schwarzen Bruches“ im Jahre 1986 wurde ein erster Schritt für den Erhalt der teilweise degenerierten Moorkörper getan, denn der gegenwärtige Zustand konnte zunächst stabilisiert werden. Im Rahmen des Feuchtwie­senschutzprogramms wurde das Naturschutzgebiet „Eselsbett“ im Jahr 1988 um die feuchten Grünlandbereiche, die an Moorkörper umgeben, erweitert. Durch die Schaffung dieser breiten Pufferzone wird nun weitgehend vermieden, dass der Moorkörper durch zusätzliche Nährstoffein­träge beeinträchtigt wird.

 

Auch in diesem Naturschutzgebiet konnte das Amt für Agrarordnung Warburg über ein Bodenordnungsverfahren einen großen Flächenanteil in das Eigentum des Landes überführen.

Neben feuchten Grünlandflächen hat sich im Naturschutzgebiet „Eselsbett“ auch eine Fläche zu einem für die Mittelgebirge typischen Borstgrasrasen mit einer Vielzahl an diesen nährstoffarmen Lebensraum spezialisierten Arten entwickelt. Neben dem namensgebenden Borstgras (Nardus stricta), das vom Vieh verschmäht wird und sich daher ge­genüber anderen Arten durchsetzt, finden sich hier das Kreuzblümchen (Polygala vulgaris und P. serpyllifolia), das Wald-Läusekraut (Pedicularis sylvartica), die Blutwurz (Potentilla erecta) und das Harzer Labkraut (Galium hercynicum). Sowohl im Naturschutzgebiet „Eselsbett“ als auch im Naturschutzgebiet „Schwarzes Bruch“ findet man in den verschie­denen Lebensräumen die charakteristischen Vertreter der unscheinbaren, teils aber bestandbildenen Sauergräser. Hierzu zählen Arten wie z. B. Zwiebel-Binse (Juncus bulbosus) und Schnabel-Segge (Carex rostrata).

Die Vielfalt der Standorte im Naturschutzgebiet „Eselsbett“ hat dazu ge­führt, daß sich neben den bislang nachgewiesenen 258 Pflanzenarten auch eine sehr reiche Tierwelt ausbilden konnte, von denen einige Arten hoch spezialisiert und daher besonders gefährdet sind.

Von den bislang 90 beobachteten Vogelarten brüten in den Feuchtwiesen und im Moorkörper regelmäßig die Bekassine, die Rohrammer und der Wiesenpieper.

Zu den hervorzuhebenden Nahrungsgästen zählen unter anderen auch der äußerst scheue Schwarz- und der Weißstorch, ebenso, die Korn- und die Rohrweihe. In den Hecken und Gebüschen brüten häufig Dorn- und Mönchsgrasmücken, Baumpieper, Fitis und Neuntöter.

Das Gebiet zeichnet sich außerdem durch eine besonders reichhaltige Insektenwelt mit über 300 Großschmetterlingsarten aus, von denen einige, als Moorspezialisten extrem bedroht sind.

Mit der Betreuung des Naturschutzgebietes“Eselsbett“ ist die Gemein­schaft für Naturschutz Senne und Ostwestfalen e. V. (GNS) durch den Kreis Paderborn beauftragt worden. Im Rahmen der Betreuungstätigkeit führt die GNS floristische und faunistische Bestandserhebungen durch, dokumentiert Veränderungen und leitet daraus Pflegemaßnahmen ab, die der Bestandssicherung und Optimierung des Gebietes dienen.