Industriearchäologie in Lichtenau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deutlich über 100 interessierte Besucher haben sich am Sonntag den 2.4. im Wald bei Kleinenberg eingefunden um sich über die Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungen an der Alten Eisenbahn zu informieren. Bereits im Winter letzten Jahres begannen die Untersuchengen an dem niemals fertiggestellten Eisenbahntunnel der Köln–Minden–Thüringischen–Verbindungs–Eisenbahn–Gesellschaft (KMTVEG) von 1847. Das ambitionierte Eisenbahnprojekt gehörte noch vor der Mitte des 19. Jahrhunderts zu den ganz frühen Ansätzen in Deutschland eine moderne Verkehrsinfrastruktur zu schaffen und war für seine Zeit ein wirkliches Hightech-Unternehmen. So hatte beispielsweise der leitende Ingenieur des Bauvorhabens sein Handwerk bei dem berühmten Eisenbahnpionier George Stephenson in England gelernt. Auf der Großbaustelle am Eggedurchbruch waren zeitweise mehr als 500 Arbeiter beschäftigt. Zu dem letztlich an der Finanzierung gescheiterten Vorhaben existieren heute kaum noch Aufzeichnungen oder Unterlagen. Konkrete Informationen zur eingesetzten Technik und zum erreichten Arbeitsstand an dem für die Geschichte der Industrialisierung so bedeutenden Projekts sind daher heute nur mit den Methoden der Archäologie zu gewinnen.

Forschungstaucher der Universität Kiel hatten bereits im vergangenen Dezember bei winterlichen Bedingungen versucht den heute bis zu 4m unter Wasser stehenden westlichen Zugang zum unvollendeten Tunnel zu untersuchen – im Winter sind die Sichtverhältnisse dort bei reduziertem Pflanzenwachstum wesentlich besser. Allerdings konnte dabei nur wenig Erkenntnis gewonnen werden, da man die Tunnelportale aus Sicherheitsgründen bereits kurz nach der Aufgabe des Projekts gesprengt hatte. Im Umfeld der ehemaligen Großbaustelle wurden die Überreste von diversen Gebäuden archäologisch untersucht. In diesem Frühjahr führen die Forscher diese Ausgrabungen im Rahmen einer Lehrgrabung der Universität Kiel auf weiteren Flächen fort. Unter anderem konnten so die Reste der ehemaligen Schenke und eines größeren Wirtschaftsgebäudes freigelegt werden. Einer der drei senkrecht in den Felsen getriebenen sog. Richtschächte wird in den nächste Tagen im Zentrum der Untersuchung stehen.