Stadt Lichtenau – Eine Erfolgsgeschichte durch Windkraft!

Der Städte- und Gemeindebund befragte kürzlich Kommunen die sich vorbildlich im Bereich des Klimaschutzes hervortaten. Eine davon war Lichtenau. Den Bericht lesen Sie hier.

Im südlichen Ostwestfalen liegt Lichtenau, ein Ort mit 11.500 Einwohnern, der mittlerweile nicht nur unter Experten den Ruf der „Windenergiehauptstadt NRW“ trägt. Bereits zu Beginn der 1990er Jahre machten sich die ersten Windkraftpioniere auf, den ertragreichen Raum der „Paderborner Hochfläche“ um Lichtenau zu erschließen. Damals eröffnete im nördlichen Stadtteil Asseln der größte Windpark Europas mit 67 Windrädern, dazu kamen kurze Zeit später 35 Anlagen im Windpark Atteln an der Gemeindegrenze.

 

Nach den Pionier- und Gründerjahren kam es in den Jahren 2014 bis 2019 zu einem 2 Schub der Windkraftentwicklung. 80 hochmoderne Anlagen wurden in dieser Zeit gebaut mit einem Umsatzvolumen von über einer halben Milliarde Euro. Wichtig war es immer die Menschen vor Ort mitzunehmen und die Vorteile, aber auch die Einschränkungen im offenen Diskurs auszutragen und darüber hinaus die politischen und gesellschaftlichen Gremien zur Gänze einzubinden. Ein rechtsicherer, vorbildlicher Flächennutzungsplan mit 5 klar festgelegten Windkraftzonen war die Basis für die weitere Prosperität. Mittlerweile stehen in Lichtenau 173 Anlagen, zumeist mit modernster Anlagentechnik ausgerüstet und produzieren jährlich 731  GW/h umweltfreundlichen Windstrom pro Jahr. Damit produzieren die Windkraftanlagen 9 Mal so viel Strom wie Lichtenaus Bürger verbrauchen, eine 100.000 Einwohnerstadt wie Kaiserslautern kann damit ein Jahr mit Strom versorgt werden.

Neben der kulturellen und traditionsreichen Entwicklung spielte der technologische Aspekt in der Entwicklung schon frühzeitig eine bedeutende Rolle in der Profilbildung der Stadt Lichtenau. Ziel ist und war es das Image als „Energiestadt“ weiter auszubauen und über Fachkreise hinaus publik und weiter bekannt zu machen. Dafür gab es wichtige flankierende Maßnahmen in Lichtenau, die zu einer Akzeptanzerhöhung führten. So wurde 2005 das Technologiezentrum für Zukunftsenergien (TZL) in Betrieb genommen. Das TZL als Gebäude ist ein Vorzeigeobjekt für den ressourcenschonenden Umgang mit Energien und stellt sich in seiner Vorbildfunktion als ausschließlich mit regionalen, erneuerbaren Energien versorgtes, energieeffizientes Gebäude dar. Durch regelmäßige Informationsveranstaltungen und Kongresse wird der Ausbau zu einem überregionalen Kompetenzzentrum forciert. Ziel ist es aber auch, die Bürgerinnen- und Bürger der Kleinstadt und die kommunale Verwaltung in die energetischen Prozesse mit einzubinden, sowie Interessierte aus der Region zusammenzuführen und ihnen eine Plattform für den Austausch im Technologiezentrum zu den verschiedenen Themenbereichen zu geben.

Seit Mitte des Jahres 2015 ist auch die Stelle des Klimaschutzmanagers der Stadt Lichtenau hier angesiedelt. Auftrag ist es, das integrierte Klimaschutzkonzept mit allen Facetten aus den Bereichen Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, Elektromobilität, Umweltschutz und Klimafolgenanpassung umzusetzen.

Ebenfalls im TZL ansässig ist die Bürger- und Energiestiftung Lichtenau Westfalen. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger, zumal in ländlichen Regionen, setzen sich für die Verbesserung der Verhältnisse in ihrem Wohnort ein. Ein sichtbares Zeichen dafür sind die zahlreichen Bürgerstiftungen, die in den letzten Jahren in einer Vielzahl von Kommunen entstanden sind. Die im Stadtgebiet Lichtenau errichteten Windkraftanlagen haben das Erscheinungsbild der Gemeinde und der Region tiefgreifend verändert. Ein Ziel der Stiftung ist es daher auch dafür zu sorgen, dass die Bürgerinnen- und Bürger der Stadt mittelbar an den Erlösen der Windkraftanlagen beteiligt werden. Jährlich fließen ca. 200.000 € in die Kassen der Sportvereine, Jugendeinrichtungen, Musik und Kunstvereine und vieles mehr.

Unweit des Kompetenzzentrums wurde ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur autarken Energiestadt Lichtenau verwirklicht. Die Stadtwerke Lichtenau eine hundertprozentige Tochter der Stadt, die von einem Bürokomplex des TZL agieren, betreiben seit Beginn des Jahres 2017 einen eigenen Windpark. 26,5 Millionen Euro haben sie in insgesamt fünf Windkraftanlagen vom Typ Enercon E-115 mit jeweils 206 m Gesamthöhe und 3 Megawatt Leistung investiert. Die Windkraftanlagen sind für eine Laufzeit von 20 Jahren ausgelegt, analog zu den Einspeisevergütungen aus dem Erneuerbare – Energien - Gesetz. In diesem Zeitraum erhält die Stadt Lichtenau aus dem Windpark Hakenberg Gewerbesteuereinnahmen von 800.000 Euro.

Ein Quantensprung in der Entwicklung der Energiestadt Lichtenau stellt überdies das Engagement der Firma ENERCON dar. Der Global Player der Erstellung und Errichtung von Windkraftanlagen hat im September 2019 den Betrieb eines eigenen Schulungszentrums in Lichtenau aufgenommen. Dabei kommen die Kunden nicht nur aus Deutschland. Es sind Inhaber von Windkraftanlagen, Betriebsführer und Planer aus der ganzen Welt. Im Enercon Training Center in Lichtenau werden sie mit Kenntnissen zu Investitionen und der Sicherheitstechnik vertraut gemacht.

Last but not least beteiligt sich die Stadt Lichtenau seit Januar 2019 auch im Bereich der Wissenschaft. Zusammen mit der Rheinisch Westfälischen Universität Aachen (RWTH), der Energieagentur NRW, dem Kreis Steinfurt und dem BET- Büro für Energiewirtschaft und technische Planung ist ein gemeinsames 3-jähriges Forschungsprojekt gestartet. Ziel ist es, belastbare Daten für ein kommunales Energiesystem auf Basis von erneuerbaren Energien zu erhalten und auf andere Kommunen übertragbar zu machen. Ein weiteres Indiz für uns in Lichtenau, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

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